Diese Weine werden am häufigsten gefälscht

Warum berühmte Burgunder, Bordeaux und internationale Kultweine besonders gefährdet sind

True Wine Redaktion 5 Min. Lesezeit Weinwissen
Diese Weine werden am häufigsten gefälscht
Für Weinfälscher sind nicht automatisch die seltensten Weine am attraktivsten. Entscheidend ist eine Kombination aus hohem Preis, bekanntem Namen, internationaler Nachfrage und einer Geschichte, die das Auftauchen einzelner alter Flaschen glaubwürdig erscheinen lässt.
Eine verlässliche Rangliste der weltweit am häufigsten gefälschten Weine existiert nicht. Ein großer Teil der Fälschungen bleibt unentdeckt, wird nicht veröffentlicht oder taucht erst Jahre nach dem Verkauf auf. Dennoch zeigen bekannte Fälle, welche Kategorien einem besonders hohen Risiko ausgesetzt sind.

Was macht einen Wein für Fälscher attraktiv?

Ein leicht erkennbarer Markenname erleichtert den Verkauf. Käufer müssen den Produzenten nicht erst kennenlernen und können einen hohen Preis scheinbar mit der Reputation rechtfertigen.
Geringe Produktionsmengen erzeugen zusätzliche Knappheit. Gleichzeitig erschweren sie aber die Plausibilitätsprüfung: Nur wenige Menschen haben den echten Wein jemals getrunken oder eine Originalflasche untersucht.
Lange Lagerfähigkeit ist ebenfalls hilfreich. Eine angeblich jahrzehntealte Flasche kann verkauft werden, ohne sofort geöffnet zu werden. Der Betrug bleibt womöglich lange verborgen.
Auch große Flaschenformate sind gefährdet. Magnums und Doppelmagnums sind selten, prestigeträchtig und können hohe Aufpreise erzielen.
Gerade bei seltenen und hochpreisigen Flaschen ist eine möglichst früh beginnende Dokumentation sinnvoll. Tokenisierter Wein verbindet die physische Flasche mit einer nachvollziehbaren Eigentums- und Lagerhistorie.

Domaine de la Romanée-Conti

Die Weine der Domaine de la Romanée-Conti gehören zu den teuersten und begehrtesten der Welt. Besonders Romanée-Conti selbst wird nur in kleinen Mengen erzeugt.
Hohe Preise, weltweite Bekanntheit und eine komplexe historische Etikettierung machen diese Weine zu attraktiven Zielen. Auch andere Weine des Guts wie La Tâche, Richebourg oder Romanée-Saint-Vivant können betroffen sein.
Beim Kauf sind Produktionsmenge, Jahrgang, Flaschenformat, Etikett, Kapsel und Provenienz gemeinsam zu prüfen. Ein altes Etikett allein beweist nichts, da originale Leerflaschen gehandelt werden.

Weitere seltene Burgunder

Neben der Domaine de la Romanée-Conti sind Weine verstorbener oder besonders gesuchter Winzer gefährdet. Dazu gehören beispielsweise Flaschen von Henri Jayer sowie seltene Abfüllungen renommierter Domaines.
Burgund ist besonders anfällig, weil die Produktionsmengen klein, die Preise hoch und Etiketten für Außenstehende schwer einzuordnen sind. Winzige Unterschiede bei Lage, Produzent und Abfüllung können den Wert erheblich verändern.
Seltene ältere Burgunder sollten deshalb möglichst aus einer kurzen, dokumentierten Besitzkette stammen.

Pétrus und andere Bordeaux-Ikonen

Pétrus gehört zu den bekanntesten Weinen des rechten Bordeaux-Ufers. Besonders gefeierte ältere Jahrgänge erzielen hohe Preise und werden deshalb häufig mit Fälschungsfällen in Verbindung gebracht.
Auch Château Lafite Rothschild, Mouton Rothschild, Latour, Margaux, Haut-Brion, Cheval Blanc und Ausone können betroffen sein. Von Mouton Rothschild werden einzelne Jahrgänge wegen ihrer berühmten Künstleretiketten besonders aufmerksam gehandelt.
Bordeaux bietet allerdings einen Vorteil: Produktionsmengen, Abfüllungen und historische Handelswege sind häufig besser dokumentiert als bei winzigen Burgunder-Domaines.

Prestige-Champagner

Prestige-Champagner verbindet bekannte Marken mit hohen Preisen und einer internationalen Distribution. Besonders alte Jahrgänge und seltene Sondereditionen können für Fälscher attraktiv sein.
Risiken bestehen nicht nur bei vollständig erfundenen Flaschen. Auch manipulierte Etiketten, falsche Jahrgänge oder wiederbefüllte Originalflaschen sind möglich.
Degorgierdatum, Kapsel, Flaschenform, Etikett und Herkunft müssen zusammenpassen. Eine ungewöhnlich junge Ausstattung auf einer angeblich alten Flasche sollte erklärt werden können.

Italienische Spitzenweine

Mit steigenden Preisen und internationaler Nachfrage wächst auch das Fälschungsrisiko für italienische Kultweine. Gefährdet sind unter anderem gesuchte Barolo- und Brunello-Abfüllungen sowie bekannte Supertuscans.
Sassicaia, Masseto und seltene Weine renommierter Erzeuger können besonders attraktiv sein. Bei alten Barolo spielen Jahrgang, Einzellage, Abfüller und historische Etikettenvarianten eine wichtige Rolle.
Die große stilistische und regionale Vielfalt Italiens macht spezialisiertes Wissen erforderlich.

Kalifornien und Australien

Auch außerhalb Europas werden bekannte Weine gefälscht. Kalifornische Kultweine wie Screaming Eagle, Harlan Estate oder Opus One verfügen über international erkennbare Namen und hohe Marktpreise.
In Australien gehört Penfolds Grange zu den besonders bekannten Sammlerweinen. Fälschungen können sowohl einzelne alte Flaschen als auch größere Mengen aktuellerer Jahrgänge betreffen.
Bei neueren Kultweinen können Seriennummern, Originalverpackung und direkter Bezug über eine Mailingliste die Prüfung erleichtern.

Nicht nur teure Raritäten werden gefälscht

Weinbetrug betrifft auch günstigere Produkte. Bei großen Mengen können selbst kleine Gewinne pro Flasche ein lukratives Geschäft ergeben.
Mögliche Fälle reichen von falscher Herkunft und unerlaubten Mischungen bis zur Nachahmung bekannter Marken. Solche Fälschungen werden eher über große Vertriebswege als über Sammlerauktionen verkauft.
Ein niedriger Flaschenpreis ist daher kein vollständiger Schutz. Das Risiko nimmt lediglich eine andere Form an.

Welche Jahrgänge und Formate sind besonders riskant?

Berühmte historische Jahrgänge sind attraktiv, weil Käufer hohe Preise erwarten. Gleichzeitig haben nur wenige Menschen ausreichend Erfahrung, um den Inhalt sensorisch einzuordnen.
Große Formate sind ebenfalls gefährdet, da sie seltener und teurer sind. Die bloße Existenz einer Magnum eines bekannten Weins muss anhand historischer Produktionsdaten plausibel sein.
Auch angebliche Direktfreigaben aus einem Château-Keller benötigen Dokumentation. Eine spektakuläre Geschichte ersetzt keine Belege.

So schützen sich Käufer

Der wirksamste Schutz ist eine dokumentierte Provenienz. Idealerweise stammt der Wein direkt vom Produzenten, von einem etablierten Händler oder aus einer professionell verwalteten Sammlung.
Käufer sollten aktuelle Fotos der konkreten Flasche, Zustandsberichte und Rechnungen verlangen. Der Preis muss mit realen Marktergebnissen verglichen werden.
Bei hochpreisigen, häufig gefälschten Weinen ist eine unabhängige Fachprüfung sinnvoll. Bleiben Herkunft oder Plausibilität zweifelhaft, sollte die Flasche nicht gekauft werden.
Nicht der berühmte Name auf dem Etikett schafft Sicherheit, sondern eine überprüfbare Geschichte.