Lage und Ausdehnung
Saint-Estèphe ist eine Gemeindeappellation in der Region Bordeaux. Ihr geografisches Gebiet entspricht der Gemeinde Saint-Estèphe am linken Ufer der Gironde zwischen Bordeaux und der Pointe de Grave. Die Rebfläche umfasst nach INAO etwa 1.250 Hektar.
Terrassen und Klima
Die Appellation besteht aus parallel zur Gironde verlaufenden Schotterterrassen in Höhenlagen von etwa 4 bis 40 Metern. Bäche und Entwässerungsgräben haben die Terrassen gegliedert und erhöhte Schotterrücken geformt. Die quartären Schotterablagerungen sind meist rund zehn Meter mächtig und liegen auf Mergeln und Kalksteinen des Eozäns und Oligozäns.
Die Böden der Schotterrücken sind überwiegend sandig-kiesig oder lehmig-kiesig; im Westen kommen flachgründige Rendzina-Böden über Kalkstein hinzu. Beim Château Montrose liegt Kies mit Sand über einem tonreichen Unterboden, der in der Tiefe Wasser speichert. Die Nähe zur Gironde mildert dort übermäßige Frühjahrskälte und Sommerhitze, während vorherrschende Nordwestwinde nach Niederschlägen zur Verringerung der Feuchtigkeit beitragen.
Rebsorten und Weinprofil
Für rote Appellationsweine sind Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon, Carmenère, Cot, Merlot und Petit Verdot zugelassen. Die Weine werden häufig von Cabernet Sauvignon geprägt; Merlot wird oft für Frucht und Rundheit eingesetzt. Saint-Estèphe AOC ist ausschließlich roten Stillweinen vorbehalten. Sie werden als intensiv gefärbt, vollmundig und kraftvoll beschrieben, mit ausgeprägter Tanninstruktur sowie der Fähigkeit, durch mehrjährige Reife an Rundheit, Frucht und Finesse zu gewinnen.
Weinbau und Ausbau
Neuanlagen müssen mindestens 7.000 Rebstöcke je Hektar aufweisen. Für die Reben gelten festgelegte Erziehungssysteme und höchstens zwölf Fruchtaugen je Rebstock. Der festgelegte Ertrag beträgt 57 Hektoliter je Hektar, der reguläre Höchstertrag 63 Hektoliter. Vor jeder Neuanpflanzung ist eine physikalisch-chemische Bodenanalyse vorgeschrieben.
In Château Montrose werden Laub- und Ertragsausdünnung seit 2006 eingesetzt. Die Lese erfolgt nach parzellenweiser Verkostung von Hand in offenen Kisten. Die Trauben werden von Hand am Bund, optisch an den Beeren und anschließend nochmals manuell sortiert. Die Partien werden getrennt in temperaturkontrollierten Edelstahlbehältern vergoren. Der überwiegend aus Cabernet Sauvignon bestehende Wein reift strukturiert und tanninbetont mit langem Reifepotenzial; der Spitzenwein wird 18 Monate in zu 60 Prozent neuen französischen Eichenfässern ausgebaut.
Geschichte und Appellationsrecht
Saint-Estèphe war bereits im 13. Jahrhundert für ertragreiche Weinberge bekannt, deren Bewirtschaftung dort einträglicher war als der Getreideanbau. Im 19. Jahrhundert entstanden viele der großen Güter, die für Saint-Estèphe charakteristisch sind. Fünf Güter aus Saint-Estèphe wurden in die Bordeaux-Klassifikation von 1855 aufgenommen. Die Appellation wurde erstmals 1936 per Dekret anerkannt. Ihre Weine müssen mindestens bis zum 1. Juni des auf die Ernte folgenden Jahres reifen und dürfen ab dem 1. September desselben Jahres an Verbraucher vermarktet werden.